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Verhalten am Klettersteig

Tipps für sichere Klettersteigbegehungen

(14.03.2010 / Dr. Tobias Bach) Im ersten Teil dieser zweiteiligen Klettersteig-Serie „Sicherheit am Klettersteig“ wurde die nötige Ausrüstung für Klettersteigbegehungen beschrieben. Doch Karabiner ins Drahtseil geclippt und los geht’s – so einfach ist es leider nicht. Obwohl das sicher das Wichtigste ist… 

Helmpflicht


Der Helm sollte gut belüftet und bequem sein, damit man ihn auch aufsetzt – und nicht erst im Klettersteig, sondern dort, wo man in den Einzugsbereich von fliegenden Steinen kommt. Das kann auf dem Wanderweg sein, wo er nah an Wände kommt – insbesondere dort, wo ein Klettersteig verläuft (!) oder große Tiere wie Gämsen oder Steinböcke herumspringen. Auch wenn die Tour am Grat verläuft braucht man einen Helm. Es muss ja nicht immer was von oben geflogen kommen. Man könnte ja auch stürzen und sich den Schädel anschlagen oder einfach beim Klettern irgendwo anstoßen, was auch Bergführern passiert (dem Autor zumindest…).


Vorfahrtsregeln

Beim Wandern hat Vorrang, wer aufsteigt. Dies sollte auch am Klettersteig so gehalten werden. Doch oft geht das Drahtseil in waagerechter Richtung und man kommt sich entgegen. Freundliche Menschen verständigen sich einfach. Keinesfalls sollte man seine Sicherung aufgeben, weil jemand vorbei möchte – man kann den Menschen ja auch als Eisenstift sehen und seine Karabiner einzeln hinter ihm einhängen…


Tourenplanung – welche Richtung?

Hinauf klettern ist leichter als hinunter klettern. Es sei denn, man lässt sich wie Tarzan am Drahtseil ab. Dies sollte man nur tun, wenn man es sehr gut kontrollieren kann (Handkraft? Nässe? Sonnencreme? - Niemals laufen lassen, immer umgreifen! ). Doch wie verhält es sich an Bergen, wo mehrere Klettersteige über die Grate führen, z.B. am Hohen Dachstein? Ganz einfach: Dann nimmt man den schwereren im Aufstieg. Auch sollte man die Tour so planen, das schwere Stellen nicht erst nach vielen Stunden Unterwegssein kommen, wenn man schon erschöpft ist. Pausen sollten nicht an Stellen eingelegt werden, wo man steinschlaggefährdet ist, Leuten im Weg ist oder angeseilt stehen muss, sondern dort, wo man ein bisschen die Seele baumeln lassen kann. Zum Beispiel am Gipfel. Noch mehr als beim Wandern gilt: Lieber viele kurze Pausen als wenige lange.


„Seil frei“

Essentiell für eine effektive Selbstsicherung ist, dass zwischen zwei Sicherungsstiften immer nur eine Person ins Drahtseil geclippt ist. Sonst besteht Mitreißgefahr im Sturzfall! Daher sollte immer darauf geachtet werden, dass der Vordermann oder die Vorderfrau umclippt, bevor man einclippt. Das kann man aber oft schlecht sehen. Daher ist es in Gruppen sinnvoll, wenn man ein Kommando für den Moment ausmacht, wo man als Vorderer umgeclippt hat, etwa „frei“ (das Seil).


Tourenplanung – Wetter

Das Drahtseil ist der Blitzableiter des Berges, der Blitz sucht sich exponierte Punkte wie den Berg. Im Gewitter am Klettersteig, das ist ein Albtraum, aber meist ein vermeidbarer! Gewitter werden im Wetterbericht mit großer Vorhersagegenauigkeit erwähnt. Diese Genauigkeit betrifft zwar nicht den Ort und eine genaue Uhrzeit, aber die Eintretenswahrscheinlichkeit. Wenn also beispielsweise eine hohe Neigung zu nachmittäglichen Wärmegewittern besteht, muss die Tour so geplant werden, dass man mittags den exponierten Bereich verlassen hat! Spätestens! Erwischt es einen doch einmal, gelten folgende Regeln:

  • weg vom Drahtseil, ohne im Absturzgelände ungesichert herum zu stehen
  • sich großer Metallteile (Pickel/Stöcke) entledigen
  • Abstand halten von exponierten Punkten (große Felsen, Gipfelkreuz)
  • nicht in fließendem Wasser stehen
  • zur Vermeidung von Schrittspannung in die Hocke gehen, Füße nah zusammen, im Idealfall auf eine wenig leitende Unterlage wie eine (möglichst trockene) Isomatte stellen. Klingt unbequem, hilft aber um zu überleben
Und dann heißt es warten, bis der Spaß vorbei ist. Heftige Gewitter dauern meist nicht lange bzw. die Gewitterzelle zieht weiter.

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