Welches Instrument ausgesucht wird ist hierbei ziemlich wurscht, denn alle funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Es braucht zunächst den aktuellen Lawinenlagebericht (LLB). Genau genommen ist bei den meisten Instrumenten nur die Gefahrenstufe nötig. Diese Nummer wird in das Instrument eingesetzt und mit Hilfe weiterer Parameter verrechnet. Heraus kommt dann zum Beispiel:
• Nein, leider darfst Du diesen supergeilen Hang nicht fahren, denn er ist 2° zu steil!
• Oder, ja, fahre den Hang, obwohl im Lawinenlagebericht steht, dass Hänge dieser Exposition, Steilheit und Geländeform bereits bei geringer Zusatzbelastung auszulösen sind.
2° zu steil und deshalb verzichten? Fahren obwohl der LLB sagt, tu´s nicht? Wie geht denn das? Ganz einfach, die Risikoeinschätzungsinstrumente arbeiten vor allem mit der Nummer des LLB und verzichten häufig auf die weiteren Informationen. Die Gefahrenstufe – und meist nur diese - wird in eine Rechenvorschrift eingesetzt, welche auf Erfahrungen oder Statistiken der Vergangenheit beruht. Drastisch ausgedrückt wird die Nummer des LLB in den Risikoeinschätzungsverfahren verhackstückt und dem Schatz im LLB, nämlich die topaktuellen Informationen zu den Gefahrenstellen, wird keine oder zu wenig Beachtung geschenkt. Frei nach dem Motto, fang dir einen Fisch, zerteile ihn, schmeiß‘ das Filet weg und friss den Kopf und die Gräten!
Wem Fischköpfe und Gräten schmecken, hat es bereits hinter sich und braucht nicht weiter zu lesen. Für Filetesser hier die gute Nachricht: Der LLB besteht nicht nur aus einer Nummer, sondern birgt darüber hinaus eine Fülle von Informationen. Diese Infos sind topaktuell, von Profis erstellt und kosten gar nix!
Folgende Informationen stehen im LLB regelmäßig:
• Die aktuellen Gefahrenstellen
• deren Vorkommen bezüglich Höhenlage, Exposition und Geländeform
• Häufigkeit der Gefahrenstellen
• Auslösewahrscheinlichkeit
Na, ist das vielleicht nix? Alles drin, alles dran! Wozu braucht es hier noch ein Risikoeinschätzungsinstrument? Gute Frage! Meine Tourenvorbereitung und die Durchführung beziehen sich seit vielen Jahren vor allem auf den LLB und da ganz besonders auf die Zusatzinformationen. Ein Risikoeinschätzungsinstrument kommt beim mir nicht zur Anwendung und wird nicht vermisst. Vielmehr gehe ich prinzipiell so vor:
• Gefahrenstellen, die bei geringer Zusatzbelastung auszulösen sind, werden gemieden
• Gefahrenstellen, die bei großer Zusatzbelastung auszulösen sind, werden nur mit Entlastungsmaßnahmen befahren oder begangen (Entlastungsabstände im Aufstieg, Einzeln fahren in der Abfahrt)
Und gut!![]()
Jetzt die schlechte Nachricht: Billig und banal ist auch diese Methode nicht, denn immerhin müssen Exposition, Höhenlage, Geländeform und Steilheit der Gefahrenstellen bei der Tourenplanung einkalkuliert und auf Tour erkannt werden! Ohne intensives Lernen und Erfahren z. B. in einem praktischen Kurs unter Leitung eines staatl. geprüften Berg- und Skiführers (www.vdbs.de) ist das kaum zu schaffen. Also Kurs besuchen, aktuellen LLB genau anschauen, passende Tour aussuchen und dann raus in die Winterwelt!
Die Abbildung rechts zeigt ein Beispiel eines bayrischen LLB.
In dieser Präsentation des Lawinenwarndienstes Bayern erfahren Sie wie ein LLB entsteht.
Dieter Stopper ist Sachverständiger für Bergunfälle und leitete mehrere Jahre die DAV Sicherheitsforschung.
Outdoor.de behandelt das Thema Lawinen, Lawinenausrüstung und richtiges Verhalten abseits der Pisten in den kommenden Wochen in der Serie „Powderalarm ohne Lawinentod“ mit folgenden Themenblöcken:
Teil 1: Notfallausrüstung aus LVS-Gerät, Schaufel und Sonde - was brauche ich, was muss ich können?
Teil 2: Welches LVS? - Was ist beim Kauf von LVS-Geräten zu beachten?
Teil 3: Lawinen vermeiden –(k)ein Hexenwerk
Teil 4: Was können Airbag & Co.?
Teil 5: Sicher unterwegs - Strategien für richtiges Entscheiden bei der Planung und im Gelände
Teil 6: Soziales Risikomanagement - Die Gruppe als Gefahrenquelle





