2 Freundinnen, 7 Tage, 8 Viertausender
Die Spaghetti-Tour mal individueller
(25.10.2011 / Stefanie Backer) Wie schafft man acht Viertausender in sieben Tagen – ohne Hektik – mit einem Maximum an Erholung? Zwei Münchnerinnen wollten es wissen und begaben sich auf Erkundungs-Hochtour. Das Tagebuch eines individuellen Bergerlebnisses.
Das gemeinsame Ziel stand fest: Das Jahr 2011 ist das Jahr der Viertausender! Zugegeben, dass es gleich acht an der Zahl
werden, war sowohl für mich als auch für meine Freundin Petra zunächst undenkbar. Der Weg dorthin: auf alle Fälle ein individueller ohne den Druck einer ganzen Gruppe ehrgeiziger Bergsteiger. Als professionelle Begleitung wählten wir keinen geringeren als Sigi Wirth, ehemeliger, langjähriger Ausbilder des VDBS, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, heute Inhaber der Alpinschule Vertical.
05. 8.2011 – Anreise
Um 12:25 Uhr ist der große Augenblick gekommen. Mit einem sehr günstigen Mietwagen geht es von München über Lindau-Bregenz-Zürich-Bern-Lausanne nach St. Rhémy en Bosses. Nach über achtstündiger Fahrt haben wir das Glück, eine Privatunterkunft für 30 €/Person zu finden. Schnell finden wir auch eine ausgezeichnete Pizzeria mit sehr gutem Weißbier. Einer langen Erholungsnacht steht somit nichts mehr im Wege.
06. 8. 2011 – Eingehtour Rifugio Mario Bezzi & Col de Lac Noir (Tag 1)
Unser zweites Tagesziel sollte das malerisch gelegene Rifugio Mario Bezzi sein, auf 2.298 Meter gelegen unumstritten ein Geheimtipp
im Aostatal. Die familienfreundliche Hütte wird von Mitte März bis Mitte Mai sowie von Mitte Juni bis Mitte September privat bewirtschaftet und bietet in dieser Zeit 82 Bergsteigern komfortable Schlafplätze. Der Anstieg zur Hütte beginnt in Surier, einem auf 1.785 Meter gelegenen Ortsteil von Valgrisenche. Entlang der Dora di Valgrisenche schlängeln wir uns ohne technische Schwierigkeiten hinauf zu unserem Ziel. Knapp zwei Stunden brauchen wir für unsere erste Eingehtour. Vom Ehrgeiz gepackt wandern wir weiter zum Col de Lac Noir auf 2.954 Meter. Die Aussicht überwältigt uns; Noch überwältigender allerdings gestaltet sich der Abstieg, bei dem wir eine Herde von über dreißig Steinböcken bewundern dürfen.
Eckdaten:
- 1.169 Höhenmeter
- 7 Std.
- Ausgangspunkt: Surier (1.785 m) – Rifugio Mario Bezzi (2.298 m)
- Ziel: Col de Lac Noir (2.954 m)
07. August 2011 – Gebietswechsel nach Pont
08. August 2011 – Aufstieg zum Rifugio Vittorio Emanuele
Um zehn Uhr am Morgen beginnt der Ernst unserer Hochtourenwoche. Für zwei Hüttennächte ausgerüstet, machen wir uns bei
strahlendem Sonnenschein auf den „Hochtourenweg“. Den Weg zur Emanuelehütte kann man nicht wirklich verfehlen – das europäische Stimmengewirr unserer Mitstreiter lässt eine gut gefüllte Hütte erwarten. Der Steig führt taleinwärts, an Wasserfällen vorbei, in Kehren durch lichten Wald und Moränengelände, bis schließlich das halbtonnenförmige Rifugio auf 2.775 Meter in Sicht ist. Wir gönnen uns noch weitere 200 Höhenmeter und genießen die Aussicht am Fuße der benachbarten Gletscher. Vor allem genießen wir die Stille – denn in der Hütte erwarten uns rund 150 Bergsteiger, die in zwei Schichten zu Abend essen. Zugegeben: den Stützpunkt hätte ich mir doch etwas individueller vorgestellt – und vor allem wärmer. Als wir nach einem Standardmenu und einigen Gläsern Rotwein unser 5-Bett-Zimmer aufsuchen, erleben wir die böse Überraschung: das Fenster der spärlichen Behausung lässt sich nicht schließen. Und das bei Minusgraden. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch; nach einer knappen halben Stunde Schulfranzösisch können wir den durchaus charmanten „patron de la maison“ überzeugen, uns zwei Matratzen für den beheizten Aufenthaltsraum zur Verfügung zu stellen. Das Resultat: eine wunderbare Nacht, die darüber hinaus individueller nicht hätte sein können.
Eckdaten:
- 815 Höhenmeter
- 2-3 Std.
- Ausgangspunkt: Pont (1.960 m)
- Ziel: Rifugio Vittorio Emanuele II (2.775 m)
9. August 2011 – Gran Paradiso & Gebietswechsel nach Gressoney la Trinité
Eckdaten:
- 700 Höhenmeterim Aufstieg
- 2.101 mH im Abstieg (bis Pont)
- 2-3 Std.
- Ausgangspunkt: Rifugio Vittorio Emanuele II (2.775 m)
- Ziel: Gran Paradiso (4.061 m)
10. August 2011 – Aufstieg zur Mantova Hütte
Eckdaten:
- 238 Höhenmeterim Aufstieg (ab Seilbahnstation)
- 45 Min.
- Ausgangspunkt: Bergstation Punta Indren
- Ziel: Mantova Hütte (3.498 m)
11. August 2011 – Parrotspitze, Zumsteinspitze, Signalkuppe
Der zweite Gipfel entpuppt sich als großartiger Aussichtsberg. Im Norden erhebt sich zum Greifen nah der Gipfelaufbau der Dufourspitze. Die Mühen haben sich also gelohnt. So erscheint der Zustieg zur Signalkuppe als ein Katzensprung. Die Punta Gnifetti bietet als höchstgelegenes Bauwerk Europas Unterkunft für rund 70 Alpinisten, sogar mit medizinischer Betreuung.
Eckdaten:
- 1061 Höhenmeter
- Tagesfüllend
- Ausgangspunkt: Mantova Hütte (3.498 m)
- Ziel: Parrotspitze (4.432 m), Zumsteinspitze (4.563 m), Signalkuppe (4.554 m)
12. August 2011 – Vincentpyramide, Balmenhorn, Schwarzhorn, Ludwigshöhe, - Abstieg nach Staffal
Eckdaten:
- Ca. 1.400 Höhenmeter
- Tagesfüllend
- Ausgangspunkt: Mantova Hütte (3.498 m)
- Ziel: Vincentpyramide (4.125 m), Balmenhorn (4.167 m), Schwarzhorn (4.322 m), Ludwigshöhe (4.341 m)
13. August 2011 – Heimfahrt nach München
Die Bilanz: 1684 km Fahrtstrecke, 7 Tage, acht 4.000er und zwei lachende Gesichter. Wer weiß, was 2012 für uns zu bieten hat.
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