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Disentis – Freeriden in Graubünden

Interview mit Alfred Andriuet und Simon Starkl zu Disentis

(23.02.2010 / Dr. Tobias Bach / Christian Dohm) Es gibt Skigebiete, die mögen ganz schöne Pisten haben, aber daneben und dazwischen sind entweder Felsen oder Wald. Es gibt Skigebiete mit hunderten von Pistenkilometern und einer gigantischen Transportkapazität modernster Lifte. Es gibt kleine Skigebiete mit einer handvoll Liften, die kennen nur die Leute in der Region. Quelle: Sedrun Disentis TourismusUnd es gibt kleine Skigebiete mit einer handvoll Liften, die fast jeder Freerider in ganz Europa kennt, weil die Möglichkeiten, die Piste zu verlassen und im Gelände ohne große Aufstiege wieder zum Lift zu kommen, großartig sind. So ein Gebiet ist Disentis/ Graubünden.

 

 

Outdoor.de sprach mit Alfred Andriuet, Bergführer und technischer Leiter der Bergbahnen Disentis.

Outdoor.de: Herr Andriuet, wenn sie einem Außerirdischen oder einem Amerikaner die Einzigartigkeit des Freeridegebietes um Disentis erklären sollen, was sagen Sie?

Alfred Andriuet: Es ist leicht zugänglich, es liegt in einem niederschlagsreichen Gebiet und es hat einen großen Höhenunterschied. Die Hänge haben außergewöhnliche Dimensionen und häufig über lange Passagen die ideale Neigung zum Freeriden von um die 30°! Das Gebiet ist überwiegend nach Südost exponiert, man ist viel in der Sonne. Schattige Pulverhänge gibt es ebenfalls. Durch die Höhenlage zwischen 1.300 und 3.327m (Oberalpstock) erlebt man landschaftlich alles, was die Berge zu bieten haben – wobei man nur die letzten Meter gelegentlich auf guten Forstwegen durch den Wald muss.

Outdoor.de: Skifahren ist ja nicht gerade die Sportart der Wahl für Leute, denen die persönliche Klimabilanz wichtig ist. Setzt Disentis auch hier Akzente?

Alfred Andriuet: Es wurde ein relativ großes Gebiet mit einem Optimum an Anlagen erschlossen. Wir sind durch die Rhätische Bahn und die Matterhorn-Gotthard Bahn perfekt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Da wir hoch liegen und topographisch in einer Gegend mit viel Niederschlag sind, kommen wir bisher ohne Schneekanonen aus. Dies schont nicht nur die Umwelt: Auf Naturschnee fährt es sich einfach besser! Kurse, z.B. die deutschen Bergführer, welche regelmäßig bei uns Ihre Variantenlehrgänge machen bestätigen uns immer wieder, dass auch die Pisten bei uns hervorragend präpariert sind.

Outdoor.de: Stichwort Risiko. Welche Angebote gibt es, um das Gefahrenbewusstsein speziell junger Freerider zu erhöhen?

Alfred Andriuet: In unseren Stationen gibt es via Großbildschirm aktuelle und gezielte Informationen zu  Gefahren und Risikoeinschätzung. Natürlich das aktuelle Lawinenbulletin, aber auch Verhaltensregeln zum Umgang mit Lawinenunfällen. Außerdem haben wir in unseren Shops ein breites und kostengünstiges Angebot an top-aktueller Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) sowohl zum Kaufen als auch zum Leihen. An den sog. Checkpunkten – wo man die Piste verlässt, sind nochmals Infotafeln mit Verhaltensregeln. Schließlich haben wir ein permanentes Lawinenrettungsfeld, welches jedermann kostenlos zugänglich ist.

Outdoor.de: Verraten sie uns: Was ist die Königsvariante im Gebiet?

Alfred Andriuet: Oh, da hab ich die Qual der Wahl. Wir haben viele schöne Varianten, die übrigens auch durch ihre durchschnittliche Länge von ca. 1.400 Höhenmetern bestechen. Herausragend ist sicherlich, mit ca. 2 Stunden Aufstieg aus dem Skigebiet auf den Oberalpstock zu gehen und von dort durch das Val Strem nach Sedrun abzufahren. Fast 2.000 Höhenmeter pures Tiefschneevergnügen! Die Nordabfahrt nach Bristen hat gar 2.300 Höhenmeter. Wo man natürlich wieder auf den Zug kann…


Outdoor.de sprach mit Simon Starkl von The Freeride Map (www.freeride-map.com) zur Entstehung der Freeride Map Disentis

Outdoor.de: Erzähl doch mal, wie die Freeride Map Disentis enstanden ist?

Simon: Im Winter 2007/2008 haben wir uns mit dem damaligen Chef der Bergbahnen und Bergführer Martin Kreiliger und dem Tourismusdirektor Frederic Füssenich zusammengesetzt, um die Freeride Map Disentis ins Sicherheitskonzept des Skigebietes zu integrieren. Für Disentis war die Idee einerseits, das großartige Freeride-Potential von Disentis weiter zu bewerben und andererseits, das Sicherheitsniveau der Freerider zu heben (analog zu dem Bestreben der Freeride Map Macher). Martin Kreiliger hat die Freeridekarte gezeichnet und ich habe die Informationen digitalisiert und grafisch aufbereitet. Nach dem ersten Entwurf wurde die Karte von weiteren Bergführern und Freeridern aus der Region geprüft und es wurden weitere Anpassungen vorgenommen.

Outdoor.de: Wann wurde die Karte dann endgültig fertig?

Simon: Im Herbst 2008 war die Freeride Map Disentis druckfertig. Die Freeride Map wird in Disentis von den Bergbahnen und dem Tourismus aktiv gefördert und wird auch an deren Schaltern verkauft.

Outdoor.de: Deine persönliche Meinung zu Disentis?

Simon: Das Gelände im Skigebiet bietet einzigartige Möglichkeiten für Freerider. von der moderat steilen Tiefschneeabfahrt, hochalpinen Gletscherruns bis zu extremen und engen Couloirs ist alles zu finden. Zusätzlich befördern einen die Bahnen bis über 3.000m und durch den Wettereinfluss aus Süden und Norden ist Disentis sehr schneesicher. Der rätoromanische Charme des kleinen Bergdorfes und seiner Bewohner sorgt für eine einzigartige Atmosphäre.

 

 

Kartenausschnitt: Freeride Map Disentis

Freeride Map Disentis

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