Dem Tageswanderer bleiben zum Beispiel die Unversehrtheit und Stille einsamer, fern abgelegener Orte genauso verborgen wie das überwältigende Gefühl, weite Strecken aus eigener Kraft zurückgelegt zu haben. Die Zahl der Fernwanderwege, die das Logo „Wanderbares Deutschland“ vom Deutschen Wanderverband tragen, sowie die Zahl der Fernwanderwege selber wachsen beständig. Fernwanderwege sind oftmals mehrere hundert Kilometer lang. Einige von denen haben religiöse oder historische Hintergründe, wie zum Beispiel der Jakobsweg, die Bonifatiusroute oder der Malerweg.
Der Einstieg mit Hüttentouren gelingt am einfachsten, beispielsweise in den Alpen oder in den deutschen Mittelgebirgen mit ihrem dichten Netz an Berghütten, Pensionen oder Wanderheimen. Der Vorteil der Hüttentouren ist, dass das Gepäck sich in Grenzen hält: Abgesehen von einem leichten Hüttenschlafsack und Wechselwäsche muss man auf Tageswanderungen kaum mehr schleppen. Ihre normale Wanderausrüstung reicht deshalb aus. Als Ergänzung braucht man nur einen geräumigen Tagesrücksack oder einen kleinen Tourenrücksack.
Auf Fernwanderwegen pilgern
Im Gegensatz zu den Wanderern, die bei den Tagestouren vor allem Entspannung in schöner Landschaft suchen, sprechen wohl vielen Fernwanderern "pilgerhafte Motive" als Beweggründe aus der Seele. Manche möchten eine bestimmte Strecke schaffen, andere möchten die Natur bewusst in Abgeschiedenheit erleben oder suchen innere Einkehr. Diese wohl älteste Art zu reisen scheint nicht zuletzt dank dem Boom des Jakobswegs ihre neue Beliebtheit zu genießen.
Fernwanderer finden in Deutschland nahezu paradiesische Bedingungen. Das Land ist mit insgesamt etwa 200.000 Kilometer Wanderwege durchzogen. Das Grobgerüst dieses Wegenetzes wurde von Hunderten von regionalen Hauptwanderwegen wie zum Beispiel dem Rhön-Höhenweg oder dem Westweg im Schwarzwald gebildet. Viele von diesen Wegen wurden Ende des 19.-Anfang des 20. Jahrhunderts von Wandervereinen angelegt – das war die erste touristische Infrastruktur Deutschlands. In den Mittelgebirgen liegt die Mehrheit von diesen Wanderwegen, die für erholungshungrige Städter gedacht wurden. Noch heute gehören viele von denen zu den Vorzeigewegen einer Region und sind damit sehr populär. In ihrem Verlauf orientieren sie sich oft an geschlossenen Naturlandschaften wie zum Beispiel dem Schwarzwald.
Europawanderwege: Von Flensburg aus bis zum Bodensee, vom Atlantik bis Verona
Die elf europäischen Fernwanderwege sind wesentlich jünger. Seit 1969 wurden sie nach und nach von der neugegründeten europäischen Wandervereinigung ausgewiesen. Der leitende Gedanke dieses Projektes war das Zusammenwachsen Europas. Die treibende Kraft dabei war der Deutsche Wanderverband. Deswegen durchqueren oder streifen 9 der 11 europäischen Fernwanderrouten Deutschland. Die beliebteste Wanderroute hierzulande ist der Wanderweg E1 - anscheinend weil er es möglich macht, das ganze Deutschland von Flensburg aus bis hin zum Bodensee zu durchwandern. Die meisten Europawanderwege sind durch die Verknüpfung bereits vorhandener Wege miteinander entstanden. Vollkommen neu angelegt dagegen wurde der Fernwanderweg E9, der vom Atlantik aus bis zur Ostsee führt.
Bei aller Vielfältigkeit der Wege konzentriert sich der Ansturm, nach Angaben vom Deutschen Alpenverein (DAV), letztlich auf wenige Routen. Zu einem der beliebtesten Wanderwege gehört der E5, der von der Atlantikküste Frankreichs bis Verona verläuft. Der am meisten belaufene Teil dieses Weges führt über die Alpen von Oberstdorf aus bis hin nach Meran. In der Hochsaison von Anfang Juni bis Ende August ist es hier zu empfehlen, schon Wochen zuvor einen Schlafplatz in den Hütten zu reservieren. Die Hütten sind oft ausgebucht, weil den Wanderweg E5 viele Tour-Gruppen laufen.
Das einfache Leben genießen
Wenn Sie nicht mal in einem Notfall-Matratzenlager einen Platz finden werden, die oft im Esszimmer der Hütten oder im Winterlager eingerichtet werden, können Sie es sich in der freien Natur bequem machen. Grundsätzlich ist Campieren mit Isomatte und Schlafsack erlaubt. Auch wenn man nur ein kleines Zelt abends aufstellt, das morgens wieder abgebaut wird, muss man auch keine Strafen befürchten. Zelten für eine längere Zeit ist in den Nationalparks allerdings verboten.
Die Übernachtung in einer der Berghütten wird von den meisten Fernwanderern bevorzugt. Obwohl das einen Rückfall in die Zivilisation bedeutet, geben viele Fernwanderer zu, dass es sich lohnt. Den sowieso genug geforderten Wanderern erspart es die Schlepperei des Zeltes und Lebensmittelvorräte über die Bergkämme. Außerdem werden in den Hütten die Traditionen des einfachen Lebens gepflegt und somit sind diese schlichten Unterkünfte das buchstäbliche Gegenteil des Event-Tourismus.
Was die Kosten einer Fernwanderung betrifft, so kann sie teurer werden als erwartet. Wenn Sie kein Mitglied des Deutschen Alpenvereins (DAV) sind, müssen Sie für eine Nacht in den Hütten von 16 bis zu 22 Euro bezahlen. Dazu kommen selbstverständlich auch die Kosten für Getränke und Mahlzeiten. Insgesamt ist es realistisch, mit Kosten von etwa 50 Euro pro Tag zu rechnen.







