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Trittsicherheit und Schwindelfreiheit beim Bergwandern

Teil 5 der Outdoor.de-Wanderserie: Bergwegkategorien Deutschland, Österreich, Schweiz im Vergleich

(11.06.2010 / Dr. Tobias Bach) Wie kann ich einschätzen, welche technischen Anforderungen eine Wanderung an mich stellt? Muss ich schwindelfrei sein? Muss ich gar klettern können? Was bedeuten Begriffe wie „ausgesetzt“ oder „absturzgefährlich“ in Routenbeschreibungen?  Solche Fragen treiben einen um, wenn man eine Bergwanderung plant. Und planen sollte man, denn wer nicht plant, kann böse Überraschungen erleben.

Zu den Begriffen:
  • Trittsicher ist, wer sich auch in verblocktem (Schutthaufen aus großen Steinen) Gelände, wo mitunter auf nassem Untergrund große Stufen auf unebenem Boden überwunden werden müssen, sicher bewegen kann. Ohne zu stolpern, umzuknicken, auszurutschen! Genau dieser Dreiklang stellt die häufigste Unfallursache beim Wandern dar!
  • Schwindelfrei ist, wer auch an ausgesetzten, also luftigen Stellen, wo es steil runter geht, nicht in Panik gerät, bloß weil es so weit runter geht – obwohl der Weg von ihm oder ihr eigentlich locker bewältigt werden kann.

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit beim Bergwandern

Die Angaben in der Führerliteratur sind stets subjektiv gefärbt und daher nur für Wanderer sinnvoll, die immer den gleichen Führer vom gleichen Autor benutzen. Doch die Länder haben die Bedeutung des Themas für den Tourismus erkannt und sind dabei, Wanderwege mit einheitlichen Schwierigkeitsbewertungen zu versehen. Die Einheitlichkeit endet jedoch leider an der Landesgrenze.

Outdoor.de stellt die wichtigsten Systeme zur Schwierigkeitsbewertung von Wanderwegen vor.

Kategorisierung der bayrischen Wanderwege

Der deutsche Alpenverein hat im Rahmen seiner Studie „Sicherheit beim Bergwandern“, dessen Projektleiter der Autor war, eine Schwierigkeitsbewertung für die bayrischen Wanderwege entwickelt, die derzeit im Gelände umgesetzt wird. Grundlage war die von der Skipiste bekannte Einteilung in Blau, Rot und Schwarz. Dabei gelten folgende Definitionen:

Schwarz – schwerer Bergweg

Schwere Bergwege sind schmal, oft steil angelegt und absturzgefährlich. Es kommen gehäuft versicherte Gehpassagen und/oder einfache Kletterstellen vor, die den Gebrauch der Hände erfordern.

Rot – mittelschwerer Bergweg

Mittelschwere Bergwege sind überwiegend schmal, oft steil angelegt und weisen absturzgefährliche Passagen auf. Es können zudem kurze, meist versicherte Gehpassagen (z.B. Drahtseil) und/oder kurze einfache Kletterstellen vorkommen, die den Gebrauch der Hände erfordern.

Blau – leichter Bergweg

Leichte Bergwege sind überwiegend schmal, können steil angelegt sein und weisen in der Regel keine absturzgefährlichen Passagen auf.

Gelb – Talweg

Talwege sind überwiegend breit, haben in der Regel eine geringe Steigung und weisen keine absturzgefährlichen Passagen auf.

Überblick: Die DAV-BergwanderCard

Eine alpenweit einheitliche Bewertung ist nicht zu erwarten. Der Vergleich mit den Kategoriensystemen benachbarter Länder hilft dem Wanderer, selbst ein Gefühl für die Schwierigkeitsangaben von Bergwegen zu bekommen:


Vergleichstabelle zur Schwierigkeit von Bergwegen, erstellt von Dieter Stopper

Es fällt sogleich ins Auge, dass die schweren Bergwege in Bayern, Tirol und Salzburg schwarz sind, während sie in Vorarlberg und der Schweiz blau sind! Die einen gingen von der Skipiste zum Wanderweg, die anderen haben die blauen Gletscher für die schweren hochalpinen Touren zum Vorbild genommen. Man mag sich als Konsument darüber ärgern, aber die beteiligten Verbände waren nicht in der Lage, sich zu einigen. Zumal die schweizerische Regelung dort Gesetzescharakter und schon lange Bestand hat. Nehmen wir es sportlich – der Vergleich verbessert die Selbsteinschätzung. Diese kann auch mit dem Selbsttest der DAV-Wandercard überprüft werden, die beim deutschen Alpenverein kostenlos herunter geladen werden kann:
www.alpenverein.de/template_loader.php?tplpage_id=332

 

Outdoor.de behandelt das Thema Wandern in den kommenden Wochen in der Serie „Viel wandern macht bewandert.“ (Peter Sirius) mit folgenden Themenblöcken:

  1. Damit das Wandern nicht des Müllers Frust wird – die richtigen Wanderschuhe
  2. Wanderausrüstung - Weniger ist oft mehr
  3. Verhalten des Wanderers im Schneefeld
  4. Wie berechnet man Wegezeiten beim Wandern?
  5. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit beim Bergwandern
  6. Wandern: Durchquerung versus Tagestour
  7. Vorstellung der DAV-Wanderstudie
  8. Soziales Risikomanagement – auch beim Wandern!

Der Autor Dr. Tobias Bach ist Bergführeranwärter und Mitarbeiter in der Sicherheitsforschung des deutschen Alpenvereins. Dort hat er als Projektleiter verschiedene Studien erstellt, u. a. Sicherheit beim Wandern und die DAV-Bergwegeklassifizierung.

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