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Schneefelder beim Wandern

Teil 3: Schneefelder durchqueren, Stürze vermeiden

(22.05.2010 / Dr. Tobias Bach) Ein Wandertag im Frühsommer im Karwendel. Wie so oft versperrt ein Schneefeld den Weg. Nur 30 Meter, drüben sieht man schon die nächste Markierung. Mitten drin merkt man: Der Schnee ist härter als man dachte, das Schneefeld ist steiler als man dachte, der Rucksack ist schwerer als man dachte. Und unten warten die Steine. Verdammte Angst kommt auf – nicht gerade gut für die Feinmotorik.

Die gnadenlose Physik im Schneefeld

40°, das ist steil, aber nicht extremsteil – da fährt man noch Ski. Allerdings: Im 40° steilen, harten Schnee hat der Körper nach wenigen Meter 95% der Geschwindigkeit des freien Falls. Und so schlägt man dann unterhalb des Schneefelds auch ein. Um diesen Alptraum zu vermeiden, sollte man als Wanderer besonders zu Saisonbeginn, wo häufig Schneefelder Wegabschnitte blockieren, ein paar einfache Regeln beachten.

  • Den Schnee umgehen

Nahe liegend! Aber leider nicht immer möglich. Wenn man schwer klettern oder wieder 400m absteigen muss, ist das Umgehen nicht die Option der Wahl. Wenn aber der Schnee steil und hart ist und an den Füssen keine Steigeisen sind, dann gibt es keine Alternative als die Umkehr oder eben das Umgehen.

  • Traverse oder Falllinie?

Da ist zunächst die Frage, ob man den Schnee quert wie im Beispiel oder auf-/absteigt. In der Querung steht und geht man viel labiler als in der Falllinie besonders im Aufstieg (auch wenn das Wort Falllinie nicht schön klingt). In der Querung sollte man, auch wenn man eigentlich hinunter will, das Schneefeld leicht ansteigend passieren.

  • Hartes oder weiches Schneefeld?

Hartgefrorener Schnee ohne Spur kann schon bei 25° (blaue Piste! Flach!) lebensgefährlich sein. Man findet keinen Halt, auch nicht mit einer Spur. Ganz anders der weiche Schnee: Hier kann man Fuß fassen indem man mit dem Innen- bzw. Außenrist den Schnee regelrecht ankerbt und sich so eine gute Trittfläche schafft. Im Sturzfall kann man wirklich bremsen (siehe unten). Wer das geübt hat, hat auch keine Angst mehr.

  • Stöcke

Sollte man haben! Diese entlasten nicht nur die Knie, sondern stabilisieren deutlich im Schneefeld. Und wenn man mal im flachen Schneefeld runter rauschen will, sich aber nicht richtig traut, kann man wie eine Hexe die Stöcke zwischen die Beine nehmen und mit den Skitellern bremsen.Liegestütztechnik: Hoch den Popo!

  • Verhalten im Sturzfall

Man kann es nicht oft genug sagen: Einen Sturz ohne Hilfsmittel (Pickel/Steigeisen) zu bremsen, ist nur möglich, wenn der Schnee weich ist – die Temperaturen also deutlich im Plus-Bereich liegen. Dann geht es darum, schnellstmöglich in die Bauchlage (Füße unten!) zu kommen, um sich dann hinauf in den Liegestütz zu drücken. Die vier kleinen Kontaktflächen  sinken ein und erzeugen ausreichend Widerstand, um den Sturz zu bremsen.



Stürzt man kopfüber, etwa in der Kurve mit zu schwerem Rucksack, kommt man am schnellsten in die Bauchlage, indem man einen Ellbogen in den Schnee rammt und den Körper um diesen „Fixpunkt“ dreht:

Kopfüber: Der Körper dreht um den Ellenbogen (Zeichnung tb)
Es macht Spaß, das mal in einem Schneefeld in Hüttennähe zu üben. Es kann ruhig sehr steil sein, sollte aber von großen Steinen frei geräumt werden und einen guten Auslauf haben. Wer erfahren hat wie es ist, einen Sturz zu halten, wird sich im weichen Schneefeld souveräner bewegen – und gar nicht erst stürzen.

 

 

 

 


Outdoor.de behandelt das Thema Wandern in den kommenden Wochen in der Serie „Viel wandern macht bewandert.“ (Peter Sirius) mit folgenden Themenblöcken:

 

  1. Damit das Wandern nicht des Müllers Frust wird – die richtigen Wanderschuhe
  2. Wanderausrüstung - Weniger ist oft mehr
  3. Verhalten des Wanderers im Schneefeld
  4. Wie berechnet man Wegezeiten beim Wandern?
  5. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit beim Bergwandern
  6. Wandern: Durchquerung versus Tagestour
  7. Vorstellung der DAV-Wanderstudie
  8. Soziales Risikomanagement – auch beim Wandern!


Der Autor Dr. Tobias Bach ist Bergführeranwärter und Mitarbeiter in der Sicherheitsforschung des deutschen Alpenvereins. Dort hat er als Projektleiter verschiedene Studien erstellt, u. a. Sicherheit beim Wandern und die DAV-Bergwegeklassifizierung.

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