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Sicherheit von Bohrhaken

Einer kleiner Ratgeber für ein langes Kletterleben

(16.08.2011 / Dr. Tobias Bach / red: outdoor) Ein fachgerecht gesetzter, moderner Bohrhaken in solidem Fels gilt unter Bergsteigern als sicherer Fixpunkt. Bei fachgerecht und solide kommt jedoch der Mensch ins Spiel, welcher den Haken als Erstbegeher oder Sanierer setzt und als kletternder Konsument beurteilt. Die meisten Kletterer machen sich über die Sicherheit des Bohrhakens so wenig Gedanken wie der Autofahrer über seine Bremsen. Beides kann gefährlich sein, für Haken jedoch gibt es nicht mal einen TÜV!

Sicher in den Fels: Outdoor.de gibt Tipps zur Sicherheit von Bohrhaken.

Selbstverständlich gibt es eine Euronorm. Aber überprüft jemand an neuen Sportkletterrouten im Oman, ob diese von den Hakensetzern umgesetzt wurde? Eben. Noch nicht mal in der fränkischen Schweiz… Versagende Bohrhaken rücken immer mal wieder ins Bewusstsein der Kletterer. Der DAV-Sicherheitsforschung wurden zwischen 2000 und 2007 insgesamt 17 (!) ausgebrochene Bohrhaken gemeldet. Dabei sind auch Menschen zu Tode gekommen. Wir können den Bohrhaken immer nur von außen sehen und befühlen, genau wie den geschlagenen Haken. Da zunehmend international geklettert wird, sollte man als Konsument wissen, welche Tücken es gibt und was man tun kann.

Setzfehler bei Verbundhaken

Verbundhaken, auch chemische Systeme oder (fälschlich) Klebehaken genannt, sind entweder einzementiert oder mit zwei-Komponentenmörtel gesetzt. Besonders bei Letzterem liegt die Tücke im Detail: Das Mischverhältnis muss stimmen, die zeitliche Abfolge, das Bohrloch muss trocken und ausgeblasen sein – ganz schön kompliziert!

Wenn Fehler gemacht wurden und der Verbund nicht gegeben ist, mag der Haken radial , also in Zugrichtung nach unten, z.B. beim Vorstiegssturz, noch halten. Aber wehe, ich hänge mich am Standplatz oder beim Auschecken der Route in den Haken und belaste in axial, also nach außen; dann zieh ich ihn raus wie einen faulen Zahn.

Test: Der Karabiner als Schraubstock

Wenn ich einen Karabiner als Hebel in die Hakenöse klinke und kraftvoll versuche, den Haken raus zu drehen merke ich, ob er ordentlich abgebunden hat. Natürlich wäre es praxisfremd, an jedem Haken rumzuschrauben. Komme ich aber in ein neues Gebiet und will mir einen Eindruck verschaffen, ob die Hakensetzer ihr Handwerk verstanden haben, sollte ich diesen Test gelegentlich anwenden. Es hilft auch, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen: Sind die Haken wirklich an den schweren Stellen oder einfach alle zwei Meter? Sind die Randabstände eingehalten (bei festem Gestein mindestens 15 cm, sonst mehr)? Da siehst Du schon, ob Du es mit einem erfahrenen Hakensetzer zu tun hast oder eben nicht.

Väterchen Rost: Die „Augenschein-Untersuchung“

Wie gesagt, man kann nicht reinschauen in den Haken. Aber wenn er von außen schon todkrank aussieht, ist Vorsicht geboten. Das Problem des Durchschleifens an Abseil- bzw. Ablasshaken wurde hier im Mai besprochen, die Kerben sind sichtbar. Ein Riesenproblem ist Korrosion. Rostende Bohrhaken, wo gibt’s denn sowas? Salopp kann man sagen: Überall da, wo Geld und oder Wissen für die angemessene Wahl des Materials fehlte!

Umgang mit „Gammelhaken“

Ist das Vertrauen dahin, klettert man doch gleich ganz anders. Sollte man auch, nämlich weit unter der Sturzgrenze! Kein Mensch kann sagen, ob aufgeworfene Blasen, spröde Streifen oder die typische Rostbräune (bislang) nur oberflächlich sind (kaum Einschränkungen in der Bruchlast) oder eben schon in die Tiefe gehen. Genauso wenig wie man weiß, was hinten am geschlagenen Haken noch dran ist… Aber nicht gleich in Panik verfallen: Rostige Bohrhaken sind zumindest in Mitteleuropa die Ausnahme. Meist wird heutzutage Edelstahl mit A2/A4 Qualität verwendet.

Zeitbombe Spannungskorrosion

Besonders heikel ist die Spannungskorrosion, eine Form der Korrosion, die durch hohe Temperaturen, Spannung und salzige Luft begünstigt wird. Also alles, was beim Klettern am Meer, das doch inzwischen ziemlich hipp ist, zusammen kommt! Davor sind nur Chrom-Molybdänhaken gefeit, und die sind ziemlich teuer. Welche Legierung verwendet wurde kann der Laie nicht erkennen. Also: Am Meer so klettern wie in den Dolomiten, immer weit vor der Sturzgrenze, und beim Abseilen Redundanzen schaffen. Den Stress kann man sich auch sparen: Beim DWS („Deep water soloing“) klettert man seilfrei in hübschen Überhängen. Bei Stromausfall im Unterarm plumpst man einfach ins Wasser und schwimmt zum nächsten Strand… auf Mallorca kann das mehrere Kilometer weit sein, also ein bisschen Tourenplanung hilft auch hier.

Dank an Dieter Stopper, Alpinguterachter (www.alpingutachten.de) für seine fachkundige Beratung!

 

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