Follow OutdoorDe on Twitter Outdoor.de bei Facebook Discover Outdoor

Öfter mal was neues: Klettern in Rio de Janeiro

Diese Stadt kann weit mehr als Copacabana

(02.09.2010 / Dr. Tobias Bach) Sie haben richtig gelesen: Es muss nicht eigentlich heißen „in der Umgebung von…“, wie es in Kletterführern anderer Destinationen stünde. Nein, wir klettern mitten in der Cidade maravilhosa, der wunderbaren Stadt, wie nicht nur die Cariocas sagen. Im Zentrum einer Weltstadt und doch in schönster Natur - wie soll das gehen?

Klettern am Zuckerhut in Rio de JaneiroVertikal oder horizontal

Dank der Topographie! Rio ist entweder flach – da stehen die Hochhäuser, da sind die Strände, da ist das (dank starker Strömung) stets saubere Meer. Oder senkrecht – als Gneiswände, bis zu 400m hoch. Dazwischen gibt es nur sehr steile Wälder und die Favelas, welche sich wie Wasserfälle aus Bretterbuden in die Stadt ergießen. Hier spielt sich der größte Teil von Elend und Gewalt ab, dafür ist Rio ja leider ebenfalls bekannt. Muss man aber nicht rein gehen.


2x Felsen, Meer und Rio: Erst Reibung…   Foto: Tobias BachZuckerhut


Zum Beispiel die bekannte James Bond Kulisse. 100 gebohrte Routen in allen Schwierigkeitsgraden, vom gemütlichen Klettergarten in Urca, bis zum ernst-alpinen schlonzigen Riß im Totem ist einfach alles dabei.
Es überwiegen zwar allgemein die Reibungstouren, doch es gibt auch allerlei Schuppen, Risse und Dächer. Und einen im Juli 2010 neu aufgelegten, hervorragend gestalteten Kletterführer. Wohl gemerkt: Wir reden nur von der Region Urca, welche den Zuckerhut und zwei weitere Wände (Morro da Urca, Morro da Babylonia) in unmittelbarer Umgebung erfasst. Es gibt zahllose weitere Wände in der Umgebung und die Führer dazu.





… und am Via Diedro Pegaso (4 sup = 5+ UIAA) schönste Piazrisse     Foto: Tobias BachAbenteuerliche Zustiege


Die Pista Claudio Coutinho ist ein breiter, asphaltierter Wanderweg auf der Westseite des Zuckerhut-Massivs, welcher zum Totem, zu den technischen Dächern und zum Reibungsklettersektor Caringa führt. Allein hier könnte man sich schon wochenlang beschäftigen. Doch wenn man auf einem schmalen, gar nicht mehr touristischen, Pfad zur etwas flacheren Südseite weitergeht, kann man auch einsame und lange Touren mit bis zu 230 Klettermetern machen, die gar nicht so schwer sind.






Schwierigkeitsbewertung/ Absicherung

Brasilien hat eine eigene Schwierigkeitsskala zum Sportklettern, welche der französischen ähnlich ist. Dies dokumentiert am besten die mittlerweile über 60jährige Geschichte des Klettersports in Rio. Es empfiehlt sich, einfach eine leichte Tour auszuprobieren und sich an die Bewertung heran tasten.

Die Gefahr ist kleiner als man denkt      Foto: Tobias Bach Die Äffchen zeigen einem beim Klettern wo es lang geht.    Foto: Tobias Bach
Was die Absicherung angeht, ist alles dabei: Selbst abzusichernde Risse (wenn ein Riss da ist, geht’s auch gut mit Friends im Gneis), aber auch Bohrhakenpisten, teils mit alten, jedoch durchwegs soliden Stichtbohrhaken, teils nach europäischem Standard saniert. Haken im Meterabstand wie in Südfrankreich findet man nicht.

Quintessenz: Wer ein paar Meter vom Haken wegsteigen kann und im 6. Französischen Grad klar kommt, wird beim Klettern in Rio sehr viel Spaß haben. So wie die Recherche zu diesem Artikel gar nicht wehtat: Nach dem Klettern an den einsamen und doch zentralen Praja de Vermelho und dann ab ins Nachtleben.


Infos:

Flugbuchung, etc. am besten im Internet.

Praja vermelho zum Arme ausschütteln. Zur Erinnerung: Wir sind    mitten in einer Stadt mit 12 Millionen Einwohnern. Foto: Tobias BachUnterkunft: Wir fanden es super im Tupiniquim, dort steigen auch viele Kletterer ab. Kein Wunder, im Innenhof wo man frühstückt ist eine wacklige Kletterwand. www.tupiniquimhostel.com.br

Aktuelle Topos und viele Infos auch aus anderen brasilianischen Klettergebieten gibt es bei der Compania escalada. Dort kann man auch Führerliteratur bestellen. Für das beschriebene Gebiet empfiehlt sich Urca von Daflon/Queiroz in der Auflage 2010. www.companhiadaescalada.com.br

Wer geführt werden möchte: Der portugiesisch sprechende Autor ist Bergführer und kennt das Gebiet… schreiben Sie an Outdoor.de!

Themenspecial

Outdoor.de Newsletter

Nachname*:
Vorname*:
E-Mail*:

Für Fragen zu Nutzung und Schutz Ihrer Daten klicken Sie bitte hier: Datenschutz