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Kletterunfälle: Fehler beim Abseilen & Ablassen

Typische Sicherungsfehler kennen und vermeiden

(18.05.2010 / Dr. Tobias Bach) Derzeit mehren sich in den Medien – und leider nicht nur dort – Berichte über Abseilunfälle beim Klettern. Allein in den letzten Wochen sind zwei Bekannte des Autors von den typischen Sicherungsfehlern betroffen – beide erfahrene Kletterer. Beide haben überlebt, jedoch mit schweren Verletzungen.

Outdoor.de warnt vor typischen Fehlern bei der Sicherungstechnik beim Abseilen und Ablassen.  Outdoor.de warnt vor typischen Fehlern bei der Sicherungstechnik  beim Abseilen und Ablassen.

Dass das offene Ende eines Seiles durch das Sicherungsgerät schlüpft und ein Kletterer zu Boden stürzt, klingt saublöd. Wer jetzt denkt „selber schuld“ ist in akuter Gefahr, der nächste zu sein! Denn die zahlreichen Unfälle beim Abseilen und Ablassen passieren häufig nicht den Anfängern, sondern den alten Hasen. Wie man von Fliegerunfällen und aus der DAV-Studie „Sicherheit beim Hallenklettern“ weiß, gibt es keinen Zusammenhang zwischen Erfahrung und Unfallhäufigkeit. Ein Anfänger muss noch jeden Schritt mitdenken und kann dabei Fehler machen, der Profi macht’s automatisch – das kann ihn die Aufmerksamkeit und in der Folge das Leben kosten. 


Am 16.5.2010 stürzte in Belgien ein erfahrener Kletterer acht Meter zu Boden. Er kletterte zu einem Umlenker und wurde abgelassen, das Seil war zu kurz. Mehrere Seile unterschiedlicher Länge waren in Umlauf. Beide Füße und drei Wirbel gebrochen. Nur 14 Tage zuvor ist in Nideggen/Eifel ein Kletterer abgestürzt, der an der Umlenkung das Seil gefädelt hat, nur wenige Meter durchgezogen hat und sich dann an beiden Strängen abseilen wollte. Auch aus anderen Sportklettergebieten und Hallen wurden in letzter Zeit Abseil- und Ablassunfälle gemeldet.

Bei der folgenden Checkliste werden ausbrechende Fixpunkte (Haken, reißende Schlingen) außen vor gelassen. Dieses Problem bestimmter Alpinkletterrouten ist im Klettergarten eher nachgeordnet.

Häufige Fehlerbilder und wie man sie vermeidet:


  1. Ablassprobleme in der Halle

a.    Kontrollverlust beim GriGri
Wenn man den Bremshebel, z.B. in Panik (weil die Abseilfahrt zu schnell geht) voll durchzieht und das Bremsseil nicht mehr kontrollieren kann, stürzt der Kletterer (fast) im freien Fall.

Abhilfe:
-    Hebel dosiert zurückführen, mit leichten Personen üben

-    Unbedingte Bremsseilkontrolle! Eine Hand umfasst immer das Bremsseil, ob Halbautomat oder nicht!

b.    Seil zu kurz!

Man hat sich sein altes Seil für die Halle zurechtgeschnipselt. Man ist in einer anderen Halle, die etwas höher ist und schon passiert es – das Seil rauscht durch, weil es zu kurz ist.

Abhilfe (wie draußen):
Knoten ins freie Seilende! Geeignet ist ein Achterknoten, weil dieser recht dick ist (Video Anleitung Kletterknoten). Ein „Seilschwanz“ von mindestens 20 cm sollte heraus schauen, damit sich der Knoten nicht unbeabsichtigt löst. Man kann das Seil auch direkt am Seilsack festbinden. Dies sollte standardmäßig erfolgen. Es ist zwar ein bisschen peinlich, wenn der Kletterer noch in der Luft hängt und der Knoten am Sicherungsgerät ansteht, aber das ist besser als schwer verletzt!

c.    Seil zu glatt, Seil zu dünn
Neue Seile sind glatt und werden durch technischen Fortschritt und den Wunsch nach Leichtigkeit immer dünner. Dadurch sinkt der Durchlaufwert des Sicherungsgerätes (bes. Tuber, Achter) und die Bremsseilkontrolle mit der Hand wird erschwert.

Abhilfe:
Wer Leute ablässt die schwerer sind als man selbst, sollte einen Seildurchmesser nicht unter 10 mm wählen. Besondere Vorsicht ist geboten bei nagelneuen Seilen, die glatt sind. Hier können sich auch Knoten lösen! Erst mal ganz vorsichtig testen, bis ein zarter Seilpelz drauf ist. Der erhöht die Bremswirkung.

2.     Probleme, die draußen am Fels zusätzlich auftreten:

a.    Ungleich lange Stränge
Das Seil liegt nicht mit der Seilmitte im Umlenker, ein Strang rauscht durch, die Sicherung versagt.

Abhilfe:
-    Enden einzeln abknoten!

-    Seilmitte markieren! Am Besten mit Edding 3000. Nicht mit Seilmarkierungsstiften (evtl. gefährlich fürs Seil), nicht mit Tape (blockiert z.B. am Prusik, am Knoten)

-    Wenn man, wie häufig im Klettergarten, fremde Seil benutzt: Genau informieren über Mittenmarkierung/Länge des Seiles. Trotzdem alles auf Sicht machen: Nur wenn ich (oder mein Partner unten) eindeutig beide Enden auf dem Boden liegen sehe, ist das Seil lang genug!

b.    Seil insgesamt zu kurz (bei Mehrseillängentouren)

Bei Mehrseillängentouren sollte das Seil grundsätzlich an beiden Strängen abgeknotet werden! Dann kann es zu kurz sein, wie es will.

c.    Kontrollverlust beim Abseilen
Ob Plastikgriffe oder Fels, ob Abseilen oder Abgelassen werden: Ist das Seil lang genug???
Auf Handhabungsfehler wie das falsche Einlegen des Seiles oder die falsche Aufhängung am Gurt (Materialschlaufe! Schon oft vorgekommen!) kann hier nicht eingegangen werden. Wer sich abseilt sollte in der Bedienung sicher sein und diese immer wieder kontrollieren. Um einem Kontrollverlust während der Abseilerei vorzubeugen, gibt es zwei Redundanzen („Ersatz-Sicherungen“):

-    Kurzprusik unterhalb vom Sicherungsgerät, mit Karabiner an der Beinschlaufe befestigt. Sollte weit weg sein vom Abseilgerät, damit dieses den Prusik nicht frisst.

-    Steht jemand unten? Dann kann dieser beide Stränge in die Hand nehmen. Zieht er daran, wenn jemand mit Tuber (ATC-XP etc.) oder Achter abseilt, wird die Fahrt umgehend gestoppt. Probiert es mal aus!

Und kontrolliert Euch immer gegenseitig, besonders, wenn Ihr was anders macht als vorher geplant/besprochen. Hab ich was übersehen? Was bedeutet es für das ganze System, wenn ich Punkt X ändere? Ihr brecht Euch keinen Zacken aus der Krone, kontrolliert euch – und lasst Euch kontrollieren!

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