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Adventure Parks: (Fast) Naturfreie Outdoor-Aktivitäten

Eine Stellungnahme zu Adventure Parks wie Area 47 & Co.

(25.10.2010 / Dr. Tobias Bach / Outdoor) Abenteuerspielplätze für Adrenalinjunkies gibt es jetzt auch jetzt auch in alpiner Umgebung. Die Natur der hochalpinen Wildnis ist nicht mehr genug. Vielleicht auch zu unbequem, zu anstrengend, zu gefährlich. In den neuen Adventure Parks kann man die aufregenden Körpererlebnisse, die sich in der Wildnis nur manchmal, nur kurz und nur mit viel Know-how ergeben, einfach hintereinander weg konsumieren, so viel man will. Das ist der Zeitgeist.

Abenteuer- oder Adventure Park, das war früher ein Synonym für den guten alten Hochseilgarten oder auch Kletterwald. Mittlerweile gibt es Parks mit Dimensionen, die man in ihrer Vielfalt mit den alten Erlebniswelten wie Disney- oder Phantasialand vergleichen kann. Der Unterschied: Die Körpererfahrung, eingebettet in ein Outdoor-Szenario, steht im Mittelpunkt.

Area 47


Die Area 47, laut Eigenwerbung „the ultimate Outdoor Playground“ am Eingang zum Tiroler Ötztal zeigt eindrucksvoll, was zur Zeit the state of art ist, um neudeutsch zu bleiben. Der Name kommt vom 47. Breitengrad, der Bezug zum Thema Outdoor bleibt durchgängig. Vor kurzem eröffnet, wird hier auf 6,5 Hektar eine unglaubliche Vielfalt an Outdoor-Aktivitäten inszeniert, die Maßstäbe für die Zukunft setzt.

Ohne auf Details eingehen zu können, lassen sich die Angebote vier Erlebnisbereichen zuordnen:

  • Waterword
Schwimmen, auf der Wiese liegen, Wasserrutsche – geht auch in jeder deutschen Großstadt. Aber nicht mit dem BMX-Rad, mit Ski oder Snowboard über Wasserschanzen springen, über dem Wasser bouldern (unter Kletterer zur Zeit trendy als deep water soloing – hier sieht man, wie schnell die Designer solcher Landschaften reagieren!) oder auf der Ötztaler Ache/ dem Inn auf surfwaves surfen.

  • Climbers Paradise
Hier beeindruckt zunächst mal die Höhe: Der Hochseilgarten der Area 47 ist 27 Meter hoch, die künstliche Kletteranlage (in allen Schwierigkeitsgraden) 30 m. Es gibt keine Kletterhalle, die so hoch ist. Noch nicht. Es gibt Klettersteige, Flying Fox (nein, nicht von Baum zu Baum – 400 Meter, auf verschiedenen Routen), man kann aus 10 Meter Höhe in ein Luftkissen springen oder auf der Slackline 20 Meter über die Ötztaler Ache balancieren.

  • Speed & Fun
Dieser Bereich des Adventure Parks umfasst Gokart Tracks (drinnen wie draussen), Geländefahrten mit Elektro-Endurobikes und MTB Downhillfahrten auf den zahllosen Downhill Tracks in den Ötztaler Skigebieten. Die umgebenden Berge werden keineswegs gemieden. Vor allem bergab, ob im Wasser, zu Lande oder in der Luft, werden sie gern integriert.

  • Outdoor Aktivitäten
Diese finden in der „freien Wildbahn“ statt und werden von Area 47 organisiert und mit Outdoor Equipment ausgestattet. Rafting, Kanu, Kajak, Canyoning – wie immer man flussabwärts will, es geht. Beim Caving geht es zum Höhlenklettern, Skifahren auf dem Gletscher geht das ganze Jahr und verstaubte Bergsport-Aktivitäten wie Gletschertouren und die Benutzung der Ötztaler Klettersteige sind ebenfalls im Programm. Es ist erschreckend, dass es hierfür noch keine Anglismen gibt! Und als alsolutes Megahighlight des Adventure Parks: Bergwandern! Was das ist, kriegen wir auch noch raus.


Posititv denken


In einer Outdoor-Erlebniswelt wird die Wildnis gezähmt und unseren Bedürfnissen angepasst. Ich mag es ja eher umgekehrt, aber: Die eigene Ideologie darf den Blick nicht vernebeln. Wer Adventure Parks wie die Area 47 nur als durchkommerzialisierte Kunstwelt verteufelt, verkennt die positiven Aspekte.

Viele alpine Regionen gelten heute als strukturschwach, die Leute wandern ab, die Kulturlandschaft verkommt. Outdoor-Erlebniswelten sind starke Arbeitgeber. Wenn im Ruhrgebiet in ehemaligen Zechengeländen solche Landschaften entstehen, warum nicht in den Bergen? Wichtig ist das wie: Es hält uns niemand davon ab, durch kritischen Konsum diese Erlebniswelten ganzheitlich und in die regionale Kultur und Natur eingebettet zu gestalten.

Betrachtet man die Entwicklung der Outdoor-Erlebniswelten in Ihrem Einfluss auf den Konsumenten, könnte die Entwicklung nicht positiver sein! Frühere Angebote nach dem Konzept der Disneyworld boten keine echten Körpererfahrungen – nur große Herausforderungen für den Verdauungsapparat, und wenn man bewegt wurde, dann in der Achterbahn, wo man hinterher kotzen muss. Heute ist Körpereinsatz gefragt – das ist gesund!

Schließlich: In der mitteleuropäischen Hochgebirgswildnis ist immer noch Platz genug. Jedem, den ich in die Area 47 schicke, werde ich dort nicht begegnen. Das ist der gleiche Effekt wie im mallorquinischen Hinterland der Ballermänner.

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