Alpspix als Beispiel für alpine Erlebniskonzepte
Schöne Aussicht 2.0
(30.11.2010 / Dr. Tobias Bach / Outdoor) Eine schöne Aussicht gibt es in den Bergen immer, sobald man eine gewisse Höhe erreicht hat und nicht in der Wolke steht. Wo dieser schöne Blick eine Intensität erzeugt, die einem den Magen rumdreht ist sicher individuell verschieden. Auf den meisten Aussichtsterrassen bietet sich dieses Gefühl vielen Besuchern wohl weniger. Aber wie ist es mit einer 16 Meter langen, abfallenden Rampe ins Nichts, über einem 1000 Meter tiefen Abgrund - so wie sie die Aussichtsplattform Alpspix bietet?„Das scheinbar fehlende Geländer am Ende jedes Steges vermittelt dem Besucher das einzigartige Gefühl, frei ins Bergpanorama zu wandern“, so die Werbung des Herstellers Pronatour für sein Prestigeprojekt. Man taucht auf dem Skywalk regelrecht in das ein, was man sonst nur sieht.
Alpspix, eröffnet im Sommer 2010 im Alpspitzgebiet oberhalb von Garmisch, ist ein Beispiel für ein Landmark, einen herausragenden, exponierten Punkt mit Wahrzeichenpotential. Anbieter wie Pronatour realisieren solche exponierten Aussichtsplattformen als Teil übergeordneter touristischer Erlebniskonzepte von Regionen. Pronatour wirbt damit, dass sich die Besucherzahlen durch solche Bauten verdoppeln können – so geschehen mit den „Five Fingers“ am Krippenstein/Dachsteingebiet, einem vergleichbaren Projekt in Österreich. Doch es regt sich auch Kritik.
Natur als Kulisse?
Über Stock und Stein wandern reicht nicht mehr, man muss auf dem Skywalk etwas erleben! Am Tag der Eröffnung von Alpspix gab es eine Protestaktion nach Greenpeace-Manier von Mountain Wilderness, einem Verein, der die Bergwelt in seiner ursprünglichen Form erhalten will. Der bekannte einheimische Extrembergsteiger Stefan Glowacz seilte sich in ein Hängebiwak unter der Plattform ab und entrollt einen Banner mit der Aufschrift „Die Natur braucht keinen Geschmacksverstärker“.
Über den Grand Canyon kann man schon lange auf Glasplatten laufen. Kritiker sagen, dies entweihe und demütige die Natur. Dieses Argument kann man an der Alpspitze getrost vergessen. Wie die Zeit bei der Eröffnung richtig bemerkt hat, ist der Alpspixx-Standort (am Osterfelderkopf) durch Bahnen, Lifte und alles was dazugehört schon so verschandelt, das kann nur noch durch den Zugspitzgipfel übertroffen werden. Da kommt es auf ein Stahlgestänge mehr nicht mehr an.
Ob der Anstieg der Reizschwelle bei den Erlebnisjunkies (der sich auch in den zuletzt auf Outdoor.de beschriebenen Adventure Parks ausdrückt), durch ständig neue Angebote jedoch weiter befriedigt und geweckt werden sollte – das ist eine Diskussion, der sich die Beteiligten Gestalter und Konsumenten der Landschaft durchaus einmal stellen sollten.







