Wind Chill Effekt im Gesicht
Die effektive, „gefühlte“ Lufttemperatur auf der Haut bei gemessenen -10°Celsius beträgt bei einer kräftigen Brise von 70 km/h bereits -18° Celsius. Der Wind bläst die isolierende warme Luftschicht um den Körper einfach weg. Gefährdet ist besonders das Gesicht, hier exponierte Stellen wie Nase, Ohren und Wangen. Eine Erfrierung wird zunächst weiß und gefühllos, später sieht sie aus wie eine Brandblase (im Prinzip ist es auch das gleiche). Erste Hilfe: Sofort Windschutz! Auflegen warmer Hände. Warme Getränke!
Lokale Erfrierungen an Fingern und Zehen
Von lokalen Erfrierungen spricht man, wenn die Körperkerntemperatur unverändert bleibt. Wo große Kälte auf schlechte Durchblutung (zu eng gebundene Bergschuhe, dauerhafte Überkopfarbeit der Hände beim Eisfallklettern) durch unzureichendes Material (zu leichte Schuhe, zu dünne Socken, schlechte und nasse Handschuhe…) trifft, besteht Gefahr. Wenn man die Arme runter nimmt und es dann in den Fingern erst einmal höllisch weh tut kann man froh sein. Wo Schmerz ist, lebt was. Bei meiner letzten lokalen Erfrierung hatte ich beim Eisfallklettern einen Innenhandschuh verloren. Erst in der Hütte merkte ich die Taubheit im Fingerendglied. Der weitere Ablauf ist dann ungefähr folgendermaßen: Nach einigen Tagen bis Wochen schält sich im fraglichen Bereich die Haut ab (manchmal fällt auch der Nagel ab) und dann kommt das Gefühl zurück. Als erste Hilfe kann empfohlen werden, die Finger oder Zehen in eine warme Achselhöhle zu stecken. Bei stärkeren Erfrierungen von Füßen/Händen und der Sicherheit, nicht mehr raus zu müssen, hilft auch ein körperwarmes Wasserbad. Dies ist allerdings sehr schmerzhaft, man sollte vorher ein bekömmliches Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen) nehmen.
Neben den Ernährungs- und Bekleidungstipps (siehe „Ingwer und mehr“) ist die beste Vorsorge, immer gut durchblutet zu sein. Also in Bewegung bleiben, dann friert man auch nicht fest. Apropos: An den Lippen festgefrorene Karabiner (Hallo Sportkletterer!) sehen zwar cool aus, stehen aber Vätern, die Ihren Töchtern gerade das Bauchnabelpiercing verboten haben, nicht „gut zu Gesicht“. Man entfernt sie mit warmem Wasser oder Tee, sowie mit Sprachlosigkeit und Geduld. Weiterhin viel Vergnügen in der Tiefkühltruhe, die Wasserfälle stehen z.Zt. prächtig und geschneit hat es auch!
Literaturtipp für Erste Hilfe bei allen Outdooraktivitäten:
Treibel, W. (2006). Alpine Lehrschrift: Erste Hilfe und Gesundheit am Berg und auf Reisen. Bergverlag Rother.







