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Akute Bergkrankheit

Wenn die Luft dünn wird

(13.10.2009 / Dr. Ulrich Schneider) Die akute Bergkrankheit zählt zu den Höhenkrankheiten und kann bereits ab einer Höhenexposition von 2500 Meter auftreten. Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Ein wesentlicher zugrunde liegender Mechanismus ist die Abnahme des Sauerstoffdruckes mit zunehmender Höhe, der zu einer Sauerstoffmangelsituation (Hypoxie) führt und damit unterschiedliche Reaktionen im menschlichen Organismus auslösen kann.

Schön aber mit potentieller Gefahr!

Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schlafstörungen, Schwindel und Wassereinlagerungen in den Beinen weisen auf das Vorliegen der akuten Bergkrankheit hin. Auch eine übermäßige Erhöhung des Pulses ist zu beachten. Diese Symptome sind jedoch eher als harmlos zu werten und sollten in der Regel nach 1 – 2 Tagen spontan wieder verschwinden, sofern ein weiterer Aufstieg vermieden wird. Neurologische Ausfälle oder Kopfschmerzen, die nicht mehr medikamentös behandelt werden können sind hingegen als Warnsymptome für eine drohende Hirnschädigung zu werten und erfordern sofortige weitere therapeutische Maßnahmen.

Bei Auftreten von Symptomen und geplantem weiteren Aufstieg sollte zunächst ein Ruhetag eingelegt werden. Die Behandlung von Kopfschmerzen kann mit Schmerzmitteln (z.B. Ibuprofen) erfolgen, bei Übelkeit bieten sich Präparate mit dem Wirkstoff Metoclopramid an. Bei Zunahme der Beschwerden trotz erfolgter therapeutischer Maßnahmen ist ein Abstieg in geringere Höhen unumgänglich (mindestens 500 Höhenmeter oder bis eine Besserung der Symptome eintritt).

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der akuten Bergkrankheit ist ein langsamer Aufstieg in Höhen über 2500 m (etwa 300 – 500 Höhenmeter/Tag), damit sich der Organismus an den abnehmenden Sauerstoffdruck gewöhnen und akklimatisieren kann. Bei vorbelasteten Bergwanderern oder Bergsteigern (bei denen die akute Bergkrankheit während früherer Touren aufgetreten ist) kann zusätzlich eine medikamentöse Prophylaxe erwogen werden. Gleiches kann auch für besondere Situationen einer Tour (schnellerer Aufstieg unumgänglich, schwieriger Abstieg) gelten. Solche Maßnahmen sollten vorher mit Ärzten besprochen werden, die mit höhenmedizinischen Fragestellungen vertraut sind.

Eine gute Ausdauerfähigkeit ist sicherlich die Grundlage für anspruchsvolle Touren, interessanterweise leiden gerade jedoch auch häufig Hochausdauertrainierte (z.B. Marathonläufer) an der akuten Bergkrankheit. Als Ursache wird ein verminderter Atemantrieb diskutiert, der zum Ausgleich des verminderten Sauerstoffangebotes in der Höhe eigentlich erhöht sein sollte. Ob jemand zur Ausprägung der beschriebenen Symptome neigen könnte, kann selbst in vorangehenden Untersuchungen nicht immer sicher beurteilt werden.

Kurzzeitige Höhenexpositionen wie Gipfelaufstiege mit nachfolgendem Abstieg oder Nutzen einer Seilbahn mit schnellem Überwinden größerer Höhenunterschiede sind in der Regel kein Problem, weil die akute Bergkrankheit erst nach 4 – 24 Stunden manifest wird.

Fazit für die Praxis:

Wer einen längeren Aufenthalt in Höhen über 2500 m plant, sollte um die Bedeutung der akuten Bergkrankheit wissen. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist ein langsamer Aufstieg, der in die Tourplanung einfließen sollte.

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