Themenspecial Outdoor und Nachhaltigkeit: Jack Wolfskin
Interview mit Ingola Metz, PR & Online-Redakteurin; Stellv. Pressesprecherin, Jack Wolfskin
„Grundsätzlich sollte die soziale und ökologische Verantwortung nicht Branchen-abhängig definiert werden."

Outdoor.de: Denken Sie, Produktionsprozesse in der Outdoor-Branche unterliegen einer besonderen ökologischen/sozialen Verantwortung – aufgrund der Affinität der Branche zur Natur?
Ingola Metz: Grundsätzlich sollte die soziale und ökologische Verantwortung nicht Branchen-abhängig definiert werden; allerdings können wir Ihnen an dieser Stelle mitteilen, dass unsere intern aufgestellten Kriterien sehr streng sind. Unsere Überzeugung ist, dass wir der Natur als dem Lebensraum, in dem wir aktiv sind, großen Respekt entgegenbringen, genauso auch den Menschen, die diese Produkte fertigen. Aus diesem Grund verpflichten wir unsere Geschäftspartner vertraglich zur Anerkennung und Umsetzung der von uns festgelegten Standards. Nur so kann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen, die nicht nur unsere Anforderungen, sondern auch die Erwartungshaltung unserer Kunden beim Kauf eines Jack Wolfskin Produktes erfüllt.
Outdoor.de: Eine nachhaltige Produktion hat grob gesehen zwei Ebenen: den Materialeinsatz und die Beschäftigungsverhältnisse. Was ist aus Ihrer Sicht problematisch in der jeweiligen Ebene?
Ingola Metz: Beide Ebenen, also die Produktökologie einerseits sowie die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern während des Produktionsprozesses andererseits, sind nicht klar voneinander zu trennen.Beiden Bereiche werden bei Jack Wolfskinmittels unterschiedlicher Kontrollsysteme überwacht:
- Sicherstellung der stoffbezogenen Sicherheit:
Jeder Lieferant, der für Jack Wolfskin Bekleidung, Ausrüstung oder Schuhe produzieren möchte, muss uns vertraglich zusichern, dass die von uns im GreenBook festgelegten Standards eingehalten werden. Außerdem lassen wir regelmäßig - zusätzlich zu den Testreihen, die unsere Lieferanten in Auftrag geben - einen hohen Prozentsatz unserer Artikel von einem unabhängigen, akkreditierten Labor (noch vor ihrer Auslieferung an unsere Kunden) überprüfen.
- Firmeneigenen Verhaltenskodex:
Outdoor.de: Welche Maßnahmen/ Standards/ Gütesiegel schätzen Sie als am „zukunftsträchtigsten“ ein?
Ingola Metz: Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, da derzeit eine Vielzahl von unterschiedlichen Zertifizierungen und Standards existiert: Was sicher sehr viel damit zu tun, dass es ebenso immens große Unterschiede von bestehenden sozialen wie kulturellen Bedingungen sowie, daraus resultierend, von bestehenden Standards in den verschiedenen Ländern gibt. Diese global mit einem einzigen Standard zeitgleich zu harmonisieren wäre vermutlich eine gute Idee, die sich aber in der Realität schwer verwirklichen lassen wird. Als Ziel darf man das unseres Erachtens aber nicht aufgeben, auch wenn der Weg lang erscheint.
Outdoor.de: Ist es realistisch, dass innerhalb der nächsten 3-5 Jahre bedeutende Fortschritte hin zu mehr Nachhaltigkeit erzielt werden?
Ingola Metz: Grundsätzlich können wir nur für unser Unternehmen sprechen – jedoch ist mit Fortschritten generell immer dann zu rechnen, wenn gemeinsam an Verbesserungen gearbeitet wird. Die Basis hierzu bildet die Implementierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses innerhalb der Unternehmensstrategie, da dies der nachhaltigste aller Ansätze ist.
Da wir unsere unternehmerische Verantwortung von Anfang sehr ernst genommen haben und sie als eine kontinuierliche Aufgabe begreifen, die niemals abgeschlossen ist, wurde dieser Prozess - sowohl unter ökologischen wie auch sozialen Gesichtspunkten - bereits vor einigen Jahren angestoßen und er wird auch zukünftig fortgeführt werden.
Outdoor.de: Was unternehmen Sie schon heute konkret, was ist zukünftig geplant?
Ingola Metz: Jack Wolfskin übernimmt Verantwortung für Natur und Umwelt.
Betriebsökologie
In 2008 hat sich Jack Wolfskin, analog zu den von der Bundesregierung beschlossenen Zielen einer 40-prozentigen Reduzierung der CO2-Emissionen, zum Ziel gesetzt, seinen ökologischen Fußabdruck, insbesondere den spezifischen CO2-Ausstoß, bis 2011 um 40 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2006/2007 zu senken.Zunächst wurden eine Vielzahl von Maßnahmen zur Vermeidung und Reduktion der aus dem eigenen Geschäftsbetrieb resultierenden CO2-Emissionen durchgeführt. Beispielsweise durch die Nutzung von Solarwärme und Photovoltaik, durch die Virtualisierung von Servern, durch den Einsatz von Videokonferenzsystemen, durch die konsequente Verwendung von Recycling- und FSC-Papieren und durch die drastische Reduzierung des Anteils von Luftfrachten am gesamten Frachtaufkommen im Zuge einer kompletten Restrukturierung der Beschaffungskette.Zudem wurde durch den Wechsel zu Greenpeace Energy die Stromversorgung auf 100-prozentigen Öko-Strom umgestellt.
Alle verbleibenden CO2-Emissionen des Geschäftsjahres 2010 werden durch die Aufforstung von 100 Hektar Wald dauerhaft neutralisiert. Die Aufforstungen erfolgen in Kooperation mit PrimaKlima-weltweit e.V. und werden auf Wunsch von Jack Wolfskin zu je einem Drittel in Deutschland, Südafrika und Nicaragua vorgenommen. Dieser Mix minimiert Risiken lokaler Naturereignisse wie Waldbrand, Windwurf oder Käferbefall.Der neue Wald wird im Durchschnitt seiner Wachstumszeit Jahrzehnt für Jahrzehnt ca. 10.000 Tonnen CO2 binden und so jene CO2-Emissionen innerhalb von 50 Jahren fünffach kompensieren, die im Geschäftsjahr 2010 durch die Geschäftstätigkeit von Jack Wolfskin unvermeidbar entstanden sind.Zur Bündelung aller Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten hat Jack Wolfskin im Oktober 2010 die spezielle Position eines Umweltbeauftragten geschaffen.
Produktökologie
Jack Wolfskin hat bewusst keine eigenen Öko-Labels für seine Produkte eingeführt, um eine Überfrachtung an Eigenlabels in diesem Bereich zu vermeiden. Für Jack Wolfskin ist es selbstverständlich und geregelt, dass alle Produkte mindestens den Öko-Tex-Standard-100-Anforderungen entsprechen. Bei einigen Substanzen gehen die firmeninternen Vorgaben darüber hinaus. Die Schadstoffanforderungen werden bei Jack Wolfskin in einem sog. „GreenBook“ zusammengefasst und müssen – als Grundvoraussetzungen für eine Zusammenarbeit – von allen Lieferanten akzeptiert und überprüft werden. Auch Jack Wolfskin kontrolliert anhand von Stichproben, ob die Anforderungen eingehalten werden.
Neben der Chemikaliensicherheit achtet Jack Wolfskin auf ethische Aspekte:
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Keine Verwendung von Echtpelzen
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Keine Verwendung von Leder bedrohter Tierarten bzw. weitgehender Verzicht auf Lederprodukte (nur bedingt möglich bei Schuhen)
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Keine Verwendung von Daunen aus Lebendrupf
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Weitestgehender Verzicht auf PVC
Seit der Winterkollektion 2010 verzichtet Jack Wolfskin auf den Einsatz von Nanotechnologie.Bei einigen Produkten verwendet Jack Wolfskin recyceltes Polyester. Im Endverbraucher-Katalog sind diese Artikel mit dem Logo „Recycled Material“ gekennzeichnet.Mit der schrittweisen Umstellung aller Produkte aus Baumwolle auf die ökologische angebaute Variante sowie dem vermehrten Einsatz von Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffen wurde begonnen.
Naturschutz und Umweltbildung
Jack Wolfskin engagiert sich zudem im Naturschutz und in der Umweltbildung. Beispiele sind:
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die Kooperation mit Arved Fuchs und die Unterstützung seines Projektes ICE CLIMATE EDUCATION (I.C.E.)
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die Unterstützung des vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) herausgegebenen Kinderheftes KINATSCHU
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das Engagement beim ebenfalls vom BfN durchgeführten NATURATHLON entlang des Grünen Bandes
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die Unterstützung des Naturparks Hohes Venn-Eifel
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die Unterstützung von Wolfsschutz-Initiativen in Rumänien und Österreich
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die großflächigen Aufforstungen über PrimaKlima-weltweit e.V.
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die Mitgliedschaft in der der EOG AssociationforConservation
Seit 2007 unterstützt Jack Wolfskin die von Arved Fuchs ins Leben gerufene ICE CLIMATE EDUCATION (I.C.E.). Bei diesem Projekt stehen die Bildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der damit verbundene Wissenstransfer aus der Polarforschung in die Schulen und die breite Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Im Rahmen eines jährlich international stattfindenden Wettbewerbs können sich Schüler/innen für einen einwöchigen Jugendcamp-Aufenthalt qualifizieren, wo sie zusammen mit Experten über die aktuelle Klimaproblematik speziell in der Arktis diskutieren und informiert werden. Ziel ist es, dass die Jugendlichen als so genannte „Klima-Botschafter" in ihre Schulen zurückkehren, um dort über die Folgen und Auswirkungen des Global Warming zu berichten und weitere Klimaprojekte anzuregen.
…für Produzenten
Verhaltenskodex (Code of Conduct)
Jack Wolfskin achtet auf faire Produktionsbedingungen. Auf der Basis von UN- und ILO (International Labour Organization)-Konventionen regelt der Jack Wolfskin-Verhaltenskodex (Code of Conduct, CoC) die Arbeitsbedingungen bei den Produzenten. Hierzu zählen u.a.:
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Verbot von Kinderarbeit
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Arbeitsbedingungen
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Arbeitszeiten und Löhne
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Arbeitssicherheit
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Gewerkschaftsfreiheit
Die Lieferanten verpflichten sich hierbei vertraglich, die Anforderungen aus dem CoC, welcher auch auf der Firmen-Homepage von Jack Wolfskin nachzulesen ist, einzuhalten.
Nachhaltige Lieferantenentwicklung (Auditierung und Qualifizierung)
Jack Wolfskin hat bereits im Jahr 2008 ein umfangreiches Lieferantenmonitoring installiert. So bezieht Jack Wolfskin inzwischen über 98 Prozent des Einkaufsvolumens von auditierten Lieferanten. Die Audits werden von dem unabhängigen Auditierungs- und Qualifizierungsunternehmen SUMATIONS durchgeführt. Hierbei legt Jack Wolfskin besonderen Wert darauf, dass immer mindestens einer der Auditoren die jeweilige Landessprache beherrscht und vor Ort permanent als Ansprechpartner für die Arbeiter zur Verfügung steht. Die Audits werden tlw. angekündigt, tlw. unangekündigt durchgeführt. Auf Grundlage der Auditergebnisse werden Schulungen und Workshops durchgeführt und Handlungsprogramme erarbeitet. Seit Anfang des Jahres 2008 kümmert sich bei Jack Wolfskin zudem eine speziell zu diesem Zweck gegründete Abteilung um die nachhaltige Lieferantenentwicklung. Das mittlerweile vierköpfige Team organisiert Audits, steht den Lieferanten bei Fragen rund um ihr Verbesserungspotenzial zur Seite, veranlasst Schulungsmaßnahmen für Lieferanten und übernimmt die Kommunikation mit der Fair Wear Foundation (FWF).
Fair WearFoundation (FWF)
Seit dem 1. Juli 2010 ist Jack Wolfskin Mitglied der Fair WearFoundation, einer Multi-Stakeholder-Initiative, welche als Ziel die Schaffung und Förderung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen entlang der textilen Wertschöpfungskette verfolgt. Die Arbeits- und Produktionsbedingungen bei den Zulieferern und Produzenten werden durch Audits kontrolliert und zertifiziert.
…zu allen Artikeln des Themenspecials „Outdoor & Nachhaltigkeit“
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