Follow OutdoorDe on Twitter Outdoor.de bei Facebook Discover Outdoor

Ingwer und mehr

Warmbleiben im Winter

(20.01.2010 / Dr. Tobias Bach) Wir Outdoorfreaks gehen im Hoch-winter ins Hoch-gebirge. Noch vor ein paar Jahrzehnten hätte jeder Almbauer verständnislos den Kopf geschüttelt. Da gehören wir doch einfach nicht hin! Aber wir wollen da hin, und wir dürfen es auch. Frieren wollen wir aber nicht. Frieren gehört zu den Schmerzformen, die wirklich keiner haben will. Also schaffen wir es doch einfach ab! Dabei ist es mit einer Dreilagen-Goretexjacke bei weitem nicht getan. Denn Wärme – wer wüsste das nicht – kommt von innen. Wir brauchen ein regelrechtes Wärmemanagement. Über Bekleidung, Stichwort Zwiebeln, wurde ja schon einiges von Christian Dohm an dieser Stelle geschrieben. Jetzt gibt kuschelig warme Tipps jenseits der Klamotte.

An kalten Wintertagen empfiehlt sich ein frisch zubereiteter Ingwertee. Die Inhaltsstoffe der Ingwerwurzel wärmen den Körper von innen.

Ingwer

Die chinesische Medizin kennt warme und kalte Typen und wärmende bzw. kühlende Speisen und Getränke. Es ist beispielsweise falsch, an einem heißen Sommertag Grillwürstchen zu essen. Leider. Die erwärmen den ohnehin schon überhitzten Organismus noch mehr. Goldrichtig ist es dagegen, im Winter mit Ingwer zu arbeiten: Ich schneide gern frischen Ingwer in Scheiben und schmeiße ihn ins Teewasser der Thermoskanne. Das schmeckt gut und macht richtig heiß.

Schnappes

Auch wenn ich gern was anderes schreiben würde: Heiße alkoholische Getränke verschaffen bestenfalls ein „Minutenglück“: Es weitet die Gefäße, das Blut strömt in die Peripherie und wird kalt. Deshalb erfrieren obdachlose Alkoholiker im Winter schneller. Der Lawinenhund mit dem Fässchen ist ein Mythos. Trinke nur Alkohol, wenn Du im Warmen bist – und bleibst.

Kältebrücken – einfach nicht drüber laufen!

Eine Kältebrücke ist ein Ort am Körper, wo Wärme verloren geht. Wenn eine Daunenjacke beispielsweise an einer spitzen Schulter zusammengequetscht wird, wird es dort kalt. Sitzt man auf den Felsen, wird auch die schönste Merinowäsche zusammengedrückt – es wird kalt. Eine ganz miese, weil schwer zu enttarnende Kältebrücke ist das Handgelenk. Hier schlägt eine dicke Pulsader nah an der Körperoberfläche, das Handgelenk ist oft völlig nackt, weil eine Lücke zwischen Handschuh und Ärmel entsteht – das Blut wird kalt. Hier helfen Pulswärmer, die nicht verrutschen. Aus Wolle oder winddicht aus Neopren. Apropos Handschuhe: Wenn man etwas „richten“ muss, legt man sie mal eben in den Schnee. Tu das nie wieder. Ist der Handschuh einmal kalt, kriegen die klammen Finger ihn nicht mehr warm. Stopf den Handschuh an Deine Brust. Dünne Unterhandschuhe, z.B. aus Seide, müssen nicht ausgezogen werden und erhalten die Fingerfertigkeit. Für die Füße gilt jedoch: Lieber ein paar gute, sehr dicke Socken als mehrere Socken übereinander. Besonders bei Aktivitäten, wo viel mechanisch gerieben wird (Skitour im Aufstieg). Das wirft Falten, das gibt Blasen. Als Prophylaxe gibt es übrigens Blasensalbe, aber Vaseline tut es auch.

Sei ein Murmeltier

Fett isoliert. Also mach es wie das Murmeltier, werde dick im Herbst. Wenn da nur nicht der Bruchharsch wäre, der die Gazelle auf Ski fordert! Fett hilft aber auch aufgetragen, etwa im Gesicht.  Eine fette Sonnencreme schützt vor lokalen Erfrierungen, auch wenn die Sonne nicht scheint. Schrundensalbe schützt die Fingerkuppen vor den schmerzhaften Schrunden. Bestimmte Massageöle (z.B. Rosmarin) wärmen den ganzen Körper. Zu zweit kommt man an Stellen, die man allein nicht erreicht. Wem da nicht warm wird, dem ist nicht zu helfen.

Das geht an die Nieren

Zu guter Letzt: Das Zentrum muss warm bleiben. Mit Tee von innen und guter Kleidung von Außen. Das I-Tüpfelchen ist der Nierengurt aus Angora, wie ihn schon Oma getragen hat. So manche schmerzhafte Ischiasnerv-Entzündung rührt vom letzten  Bergaufenthalt: Nässe und Kälte gehen an die Nieren und ins Kreuz. Angoragurte wiegen fast nichts und halten auch feucht noch warm an diesen empfindlichen Stellen. Erhältlich im Sanitätsfachhandel, manchmal auch bei Tchibo. So weit, so warm. Noch mal meine Oma: „Den Kopf halt kalt, die Füss halt warm, das macht den besten Doktor arm!“ Außer den Ohrenarzt, aber trotzdem – Oma ist ziemlich alt geworden. Und wer alt wird, hat recht.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Themenspecial

Outdoor.de Newsletter

Nachname*:
Vorname*:
E-Mail*:

Für Fragen zu Nutzung und Schutz Ihrer Daten klicken Sie bitte hier: Datenschutz